Das Wichtigste im Überblick
- Weißes Gletschereis und schwarzer Vulkansand sorgen für extreme Kontraste. Messen Sie die Belichtung auf das Eis, um überstrahlte Lichter zu vermeiden, und hellen Sie anschließend die Schatten in der Nachbearbeitung auf.
- Stellen Sie sich an den östlichen Rand der Lagune, wo die Eisberge am dichtesten liegen. Von hier startet auch die Bootstour, sodass Sie vor und nach der Fahrt fotografieren können.
- Ein Polfilter reduziert Reflexionen auf Eis und Wasser. Ein Weitwinkelobjektiv fängt die Dimensionen ein. Lassen Sie das Stativ eingepackt - der 14-hour Tourplan lässt keine Zeit für den Aufbau.
- Die Tour dauert den ganzen Tag, daher fotografieren Sie bei wechselnden Lichtverhältnissen. Die Mittagssonne macht einen Polfilter besonders sinnvoll, während sich das Morgen- und Abendlicht für Details in den Schatten eignet.
- Seljalandsfoss gehört zur Route. Halten Sie den Objektivdeckel griffbereit und ein Mikrofasertuch zur Hand. Salzhaltige Gischt trocknet schnell, hinterlässt jedoch Spuren auf dem Glas.
Licht und Jahreszeit bei einem festen 14-Stunden-Zeitplan
Der Zeitpunkt Ihrer Tour bestimmt alles, was Sie in Jökulsárlón fotografieren. Bei einer 14-stündigen Route ab Reykjavik erreichen Sie die Gletscherlagune bei dem Licht, das die jeweilige Jahreszeit bietet, und müssen innerhalb dieses Zeitfensters arbeiten. Im Sommer steht die Sonne hoch und ist hart, was auf dem Eis intensive Spiegelungen erzeugt. Im Winter haben Sie goldenes Licht aus niedrigem Winkel, aber nur für wenige Stunden. Der Busfahrplan legt Ihre Ankunftszeit fest. Prüfen Sie daher Wettervorhersagen sowie Zeiten für Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, bevor Sie buchen. Wenn Sie zwischen Juni und August reisen, erwarten Sie helle, senkrecht einfallende Sonne, die Lichter auf weißem Eis überstrahlt. Winterbesuche zwischen November und Januar bieten weicheres Licht mit wärmeren Farbtönen, erfordern jedoch kurze Belichtungszeiten und eine sorgfältige Bildgestaltung, da sich das günstige Zeitfenster bis zum mittleren Nachmittag schließt.
Planen Sie, den Aussichtspunkt an der Gletscherlagune direkt bei Ihrer Ankunft zu fotografieren, wenn der Sonnenstand Ihrem Stil entspricht. Ist das Mittagslicht zu hart, nutzen Sie das zweistündige Zeitfenster vor der Abfahrt für seitlich beleuchtete Kompositionen, die die Struktur der Eisberge hervorheben. Die bei bestimmten Touroptionen enthaltene Bootstour auf Jökulsárlón bietet Ihnen eine zweite Chance auf andere Perspektiven. Die Wasseroberfläche wirkt als natürlicher Reflektor und kann Kontraste bei hoch stehender Sonne abmildern. Akzeptieren Sie, dass Sie mit dem festen Zeitplan nicht der perfekten goldenen Stunde hinterherjagen können, und lernen Sie, mit dem Licht der Jahreszeit zu arbeiten.
Eis und schwarzen Sand im selben Bild belichten
Diamond Beach stellt Fotografen vor ein klassisches Problem: Strahlend weiße Eisberge vor fast schwarzem Vulkansand sind ein Albtraum für die Belichtungsmessung. Der Belichtungsmesser Ihrer Kamera mittelt diese Extreme und lässt beides stumpf wirken. Wechseln Sie zur Spotmessung und nehmen Sie zwei separate Messungen vor. Messen Sie zuerst das Eis und notieren Sie die Belichtung, dann den Sand. Der Unterschied beträgt typischerweise 4-5 Blendenstufen. Stellen Sie die Belichtung auf die Mitte zwischen beiden Werten ein und erstellen Sie dann Belichtungsreihen mit jeweils einer Blendenstufe darüber und darunter, um Details in Lichtern und Schatten zu erhalten. Alternativ belichten Sie auf die Eisberge, denn sie sind Ihr Motiv, und akzeptieren, dass der Sand etwas dunkler wird. Das verstärkt häufig die visuelle Dramatik und lässt das weiße Eis besonders hervorstechen.
Nutzen Sie auf einem Smartphone die integrierte Kamera-App: Tippen Sie auf das Eis und schieben Sie dann nach oben oder unten, um die Belichtung manuell anzupassen. Bei den meisten modernen Smartphones können Sie die Belichtung sperren, während Sie den Bildausschnitt neu wählen. Falls Ihr Smartphone einen RAW- oder Pro-Modus hat, verwenden Sie ihn. RAW-Dateien bewahren mehr Informationen in Schatten und Lichtern und geben Ihnen mehr Spielraum bei der Nachbearbeitung. Vermeiden Sie automatisches HDR, sofern Sie nicht sicher sind, dass es keine Lichthöfe um die Eisberge erzeugt. Der Kontrast an Diamond Beach ist so extrem, dass eine Einzelaufnahme mit sorgfältiger Bildgestaltung fast immer bessere Ergebnisse liefert als automatisches Zusammenfügen.
Reflexionen und Weißabgleich bei hellem Eis meistern
Helles Eis reflektiert enorme Lichtmengen, besonders an klaren Tagen. Das führt zu zwei Problemen: schwieriger Belichtung und Farbstichen. Gletschereis erscheint auf Fotos oft blau oder cyanfarben, weil es den Himmel reflektiert. Nutzen Sie die Weißabgleich-Einstellungen Ihres Smartphones, um das Bild leicht wärmer einzustellen. Falls Ihr Smartphone einen Kelvin-Regler bietet, verschieben Sie ihn zu wärmeren Temperaturen (3000-4000K), um dem Blaustich entgegenzuwirken. Verlassen Sie sich in Jökulsárlón nicht auf den automatischen Weißabgleich, denn die enorme Helligkeit des Eises täuscht automatische Systeme. Sperren Sie den Weißabgleich, indem Sie vor der Aufnahme auf einen Bereich mit mittlerer Helligkeit tippen. Das dunkelblaue Wasser eignet sich ideal dafür.
Um Reflexionen selbst zu reduzieren, verwenden Sie einen Polfilter, falls Sie mit einer Kamera fotografieren. Er mindert reflektiertes Licht und verstärkt das Blau von Eis und Wasser deutlich. Positionieren Sie sich beim Fotografieren mit dem Smartphone so, dass die Sonne seitlich zum Eis steht und nicht direkt dahinter. Tragen Sie einen breitkrempigen Hut und schirmen Sie den Smartphone-Bildschirm mit Ihrem Körper ab, damit Sie Belichtung und Fokus klar erkennen können. Möglicherweise müssen Sie die Helligkeit des LCD-Bildschirms anpassen. Stellen Sie sie im Freien auf die höchste Stufe, damit Sie dem Bildausschnitt vertrauen können. Wählen Sie eine ausreichend kurze Belichtungszeit, um Bewegungen einzufrieren, wenn das Boot schaukelt oder Robben sich bewegen. 1/500 Sekunde oder schneller ist eine sichere Wahl.
Robben vom Ufer und vom Wasser aus fotografieren
Robben ruhen auf Eisschollen in ganz Jökulsárlón. Verwenden Sie vom Ufer aus ein Teleobjektiv oder den Zoom Ihres Smartphones, um einzelne Robben ins Bild zu setzen, ohne sich ihnen zu nähern. Robben reagieren empfindlich auf Lärm und plötzliche Bewegungen. Bleiben Sie niedrig und bewegen Sie sich langsam. Der Aussichtspunkt an der Gletscherlagune bietet Standorte, von denen aus Sie über das Wasser fotografieren können, ohne dass die Tiere Sie bemerken. Gestalten Sie das Bild mit der Robbe im Profil statt frontal, denn das wirkt natürlicher. Die Eisscholle unter der Robbe liefert Kontext und einen natürlichen Rahmen. Wenn Ihr Smartphone keinen optischen Zoom hat, machen Sie das Foto trotzdem. Sie können es bei der Nachbearbeitung eng zuschneiden, und die Robbe verhält sich oft entspannter, wenn Sie aus größerer Entfernung fotografieren.
Falls die Tour eine Bootsfahrt auf Jökulsárlón beinhaltet, nähern sich Robben dem Schiff oft aus Neugier. Sie tauchen nahe dem Boot auf und bieten Ihnen so eine gute Nahansicht bei besserem Licht. Fotografieren Sie aus einer stabilen Position. Das Boot schaukelt leicht, nutzen Sie daher den Serienbildmodus Ihres Smartphones, um mehrere Aufnahmen zu machen und anschließend die schärfste auszuwählen. Das Wasser um die Robbe zeigt oft Wellen und Spiegelungen, die dem Bild Tiefe verleihen. Vermeiden Sie plötzliche Bewegungen oder laute Geräusche, denn sie erschrecken die Tiere. Halten Sie Ihre Hände ruhig, indem Sie sich an der Reling abstützen. Die Bootstour dauert normalerweise 45 Minuten bis eine Stunde und gibt Ihnen Zeit, Ihren Standort und Bildausschnitt anzupassen, wenn die Robben sich bewegen.





























Sicher vom Boot aus fotografieren und Ausrüstung vor Spritzwasser schützen
Die Bootstour auf Jökulsárlón verläuft unter den meisten Bedingungen ruhig, doch wenn das Boot fährt, kann Spritzwasser entstehen. Bewahren Sie Ihr Smartphone oder Ihre Kamera in einer Tasche auf, bis Sie fotografieren möchten. Machen Sie die Aufnahme und verstauen Sie das Gerät anschließend wieder. Halten Sie teure Ausrüstung nie dauerhaft mit beiden Händen fest, denn Sie brauchen eine Hand frei, um beim Bewegen des Boots das Gleichgewicht zu halten. Wenn Sie ein Smartphone verwenden, nehmen Sie ein Mikrofasertuch mit, um Linse und Bildschirm regelmäßig abzuwischen. Spritzwasser hinterlässt Salzrückstände, die Bilder trüb wirken lassen. Ein schnelles Abwischen stellt die Klarheit wieder her. Nutzen Sie die internen Lautsprecher des Smartphones nicht auf dem Boot. Wind- und Motorgeräusche machen sie nutzlos, und Lautsprecher verbrauchen schneller Energie, als Ihnen lieb ist.
An Seljalandsfoss, dem anderen wichtigen Stopp der Tour, erzeugt der Wasserfall erhebliches Spritzwasser. Wenn Sie den Wasserfall für Fotos aus der Nähe besuchen möchten, nehmen Sie eine Plastiktüte oder Schutzhülle für Ihr Smartphone mit. Bei Seljalandsfoss können Sie hinter dem Wasserfall entlanggehen, was spektakuläres Gegenlicht schafft, Sie aber auch mit Nebel durchnässt. Verstauen Sie Ihr Smartphone in einer wasserdichten Hülle oder Tasche, bevor Sie hinter das Wasser gehen. Lassen Sie es danach vollständig an der Luft trocknen, bevor Sie es benutzen. Die Tropfen auf der Linse können bei Seljalandsfoss bestimmte Aufnahmen sogar bereichern und eine verträumte, weiche Wirkung erzeugen. Scheuen Sie sich also nicht vor dem Spritzwasser, wenn Ihr Smartphone geschützt ist.
Stative und Bildgestaltung im Zeitplan einer Bustour
Ein Stativ ist auf einer 14-stündigen Bustour mit festen Aufenthaltszeiten unpraktisch. Der Bus fährt planmäßig ab, und der Aufbau eines Stativs dauert 5-10 Minuten. An Jökulsárlón und Diamond Beach haben Sie normalerweise 60-90 Minuten Zeit zu Fuß, bevor Sie zum Bus zurückkehren. Das reicht aus, um Perspektiven zu erkunden, Bildausschnitte zu wählen und aus der Hand zu fotografieren, aber nicht, um den Auf- und Abbau eines Stativs zu rechtfertigen. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf starke Aufnahmen aus der Hand: niedrige Perspektiven, die Eisberge vor dem Himmel einrahmen, Weitwinkelaufnahmen, die die Größe der Lagune zeigen, und Nahaufnahmen der Eisstruktur. Stützen Sie sich an Felsen ab oder knien Sie sich in den Sand, um Ihr Smartphone ruhig zu halten. Nutzen Sie den Selbstauslöser oder einen Sprachbefehl Ihres Smartphones, wenn Sie selbst mit ins Bild möchten.
Wenn die Bildgestaltung eine Langzeitbelichtung erfordert, etwa um die Bewegung des Wassers an Seljalandsfoss verschwimmen zu lassen, nutzen Sie statt eines Stativs den integrierten Langzeitbelichtungsmodus Ihres Smartphones. Die meisten Smartphones der vergangenen drei Jahre bieten diese Funktion in ihrer Standard-Kamera-App oder über Drittanbieter-Apps wie Slow Shutter Cam. Lehnen Sie das Smartphone an einen stabilen Felsen oder stützen Sie es mit einem kleinen Bohnensack ab. Die Zeit, die Sie durch den Verzicht auf den Stativaufbau sparen, gibt Ihnen mehr Freiheit, sich zu bewegen, die Umgebung zu erkunden und unterschiedliche Perspektiven festzuhalten. Auf einer Gruppentour ist Beweglichkeit ein Vorteil: Sie können sich für Gegenlichtaufnahmen, Spiegelungen und Perspektiven positionieren, die stationären Fotografen entgehen.
Die klassischen Perspektiven von Jökulsárlón und die besten Eisberge an Diamond Beach finden
Die meistfotografierte Perspektive an Jökulsárlón bietet sich vom Aussichtspunkt an der Gletscherlagune am Ostufer, mit Blick nach Westen über das Wasser zur Kalbungsfront des Gletschers und zu den fernen Bergen. Dieser Standort vermittelt Größe, bietet von den Eisbergen geschaffene Linien, die den Blick führen, und verleiht dem Vordergrund Tiefe. Kommen Sie früh während Ihrer Aufenthaltszeit hierher, um diesen Ort ohne Menschenmengen zu erkunden. Das Licht wird am späten Nachmittag besser, wenn es golden wird. Falls Ihr Zeitplan eine Ankunft am Nachmittag erlaubt, kehren Sie kurz vor der Abfahrt zu diesem Aussichtspunkt zurück. Fotografieren Sie sowohl mit Weitwinkel als auch mit Teleobjektiv: Weitwinkelaufnahmen zeigen die Weite der Lagune, während Teleaufnahmen die Eistürme und die Bergkulisse optisch verdichten und so eine eindrucksvolle Wirkung erzeugen.
Diamond Beach liegt nördlich der Lagune an der Küste, wo Eisberge auf schwarzen Sand gespült werden. Die größten und klarsten Eisstücke sammeln sich nahe der Wasserlinie in einem etwa 200 Meter langen Bereich. Gehen Sie am Ufer entlang, um Ansammlungen zu finden, bei denen sich mehrere Eisberge überlagern und so Tiefe im Bild entsteht. Die besten Ansammlungen verändern sich mit den Gezeiten und dem Wetter. Fragen Sie daher Ihren Guide, wo sich an diesem Tag die größten Stücke konzentrieren. Fotografieren Sie bei tief stehender Sonne von der Seite, denn so kommen die inneren Farben und die Struktur des Eises zur Geltung. Nehmen Sie den schwarzen Sand in den Vordergrund auf, um die Komposition zu verankern und den Kontrast zu betonen. Wählen Sie den Bildausschnitt so, dass die Eisberge in die Ferne führen und den Blick des Betrachters ins Bild lenken. Vermeiden Sie es, einen einzelnen Eisberg mittig zu platzieren. Setzen Sie ihn leicht versetzt und lassen Sie bewusst freien Raum im Bild, um Größe und Abgeschiedenheit zu vermitteln.